Fotografie am Mikroskop mit dem Samsung Galaxy S9
2018 © Thomas Gade
Das Samsung Galaxy S9 lässt sich mithilfe einer Schutzhülle, auf die ein Metallring mit T2 Gewinde geklebt wird, leicht an ein Mikroskop adaptieren. Üblicherweise verwende ich eine Schutzhülle aus dünnem Aluminium. Leider gab es mein bevorzugtes Modell zum Zeitpunkt dieses Tests (noch) nicht für das Samsung Galaxy S9.
Daher verwendete ich eine Silikonhülle, die eigentlich nicht steif genug ist für diesen Zweck. Zum Kleben verwendet man am besten Epoxydharz, das einerseits eine feste Klebeverbindung gewährleistet und andererseits auch verwendet werden kann, um eine nicht ausreichend steife Schutzhülle weniger flexibel zu machen. In diesem Fall wurde das Silikon mit Schmirgelpapier angeraut, damit das Epoxydharz auch haftete.
Zunächst wurde der T2 Ring nach dem empirischen Herausfinden der richtigen Position festgeklebt. Anschließend wurde die große Oberfläche der Smartphonehülle komplett mit Epoxydharz bestrichen. Nach dem Aushärten hatte diese Hülle, nun ein maßgeschneiderter T2 Adapter für das Samsung Galaxy S9, die nötige Festigkeit. Sie sieht zwar nicht so schön aus wie eine Metallhülle, erfüllt aber ihren Zweck.

Samsung Galaxy S9 in der Schutzhülle mit angeklebtem T2 Gewinde
Es gibt im Handel verschiedene Adapter mit T2 Anschluss, man kann aber auch eine improvisierte Lösung zusammen basteln, wie hier mit einer T2 Hülse und einem M42 Helical Fokussierer. T2 und M42 haben denselben Durchmesser, aber eine unterschiedliche Gewindesteigung. Doch kann man sie ausreichend fest zusammenschrauben. Man kann aber bessere Lösungen anstreben.
Der Helical Fokussierer ist eigentlich für Objektive an Kameras gedacht. Er verändert seine Länge durch Bewegen eines Drehrades wie beim Scharfstellen eines Kameraobjektivs.
Bei dieser Adaption macht es der Helical Fokussierer leicht, den optimalen Abstand zwischen dem Smartphone und dem Okular des Mikroskops einzustellen. Besser geht es nicht.

Foto vom Querschnitt eines kleinen Pflanzenstengels. Das Präparat wurde gefärbt.
Blickt das Smartphone anstelle eines Auges in das Okular eines Mikroskops, sieht es ebenso wie der Mensch ein kreisrundes Bild. Daher wird auch nur ein kreisförmiger Ausschnitt des Sensors genutzt.
Wie groß oder klein dieser Bildkreis in der Praxis ist, hängt (eine korrekte Adaptierung vorausgesetzt) vor allem von der Optik des Mikroskops ab. Es gibt Okulare mit kleineren und größeren Sehfelder. Allerdings muss ein Okular mit einem großen Sehfeld auch eine dazu passendes Objektiv haben, dessen Bildkreis groß genug ist und qualitativ mitmacht. Hier gilt: Je größer das Sehfeld bei guter Bildqualität ist, desto teurer ist die Optik.
Ein digitaler Zoom bis zum Faktor 2x sollte ein Bild ohne sichtbaren Rand des Bildkreises liefern. Falls nicht, ist der Verlust an Auflösung durch die Nutzung eines kleinen Teiles des Aufnahmesensors recht hoch und man sollte zur Optimierung mit anderen Okularen experimentieren.
Das hier verwendete Leitz Laborlux 12 entspricht in seiner Konfiguration einem besseren Schulmikroskop oder könnte in einer Arztpraxis oder bei einem Apotheker stehen. Es reicht bereits für viele Verwendungszwecke, aber für anspruchsvolle fotografische Aufgaben gibt es bessere Möglichkeiten.

Nach der Bildbearbeitung. Das Motiv lässt sich leicht freistellen und mit einem 'sauberen' Hintergrund versehen.
Eine Nachbearbeitung der Bilder am Mikroskop ist in der Regel immer erforderlich, aber das trifft allgemein bei der Mikrofotografie zu. Tonwert- und Kontrastkorrekturen sowie eine Unscharf-Maskierung gehören dazu sowie oft das Freistellen des Motivs, das auf einen homogenen Hintergrund gelegt wird.
Fazit
Das Samsung Galaxy S9 kann sehr gut für Fotos mit dem Mikroskop verwendet werden. Die Qualität der Aufnahmen ist bei guter Adaptierung und ordentlicher Optik sowie einer guten Beleuchtung der Präparate auf einem hohen Niveau. Erfreulich ist, dass dieses Smartphone, mit seinem Autofokus kleine Ungenauigkeiten beim Einstellen der Schärfe am Mikroskop kompensiert. Man kann auf dem Display die Bildstelle antippen, die besonders scharf sein soll, und der Autofokus erledigt den Rest. Das schaffen heute alle Smartphones der Mittel- und Oberklasse, jedoch nicht immer die billigen Modelle.Siehe auch: Mikrofotografie mit dem Smartphone
© Thomas Gade
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